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Kolumne

Auch die Twilight-Welt ist nicht frei von Veränderungen und Meinungsverschiedenheiten, die ausgiebig diskutiert werden. Genau deshalb hat man manchmal das Bedürfnis, ein kontroverses Thema anzusprechen, das einen schon länger beschäftigt hat, um endlich seine Sicht der Dinge darzulegen. Auf dieser Seite findest Du sämtliche Kolumnen, die unsere Teammitglieder in den vergangenen Monaten geschrieben haben.



Mona
New Moon im Zwielicht

Eine ungewollte Geburtstagsparty, eine Torte, die zu groß ist, um sie alleine zu essen und den Finger am Geschenkpapier geschnitten, diese Situation verändert plötzlich alles im Leben von Bella Swan. Nur ein Tropfen Blut. Eigentlich wäre gar nichts geschehen, wenn das alles nicht im Haus der Cullens passiert wäre, den anständigen Vegetarier-Vampiren, die wir bereits aus "Twilight" kennen. Denn der neueste Tierblutsauger, Jasper, gibt seinen Instinkten nach und versucht Bella zu töten. Edward Cullen, geliebter Vampir und Traummann so mancher Frau zwischen 15 und 50 kann zwar das Schlimmste verhindern, doch er sieht keine andere Lösung außer Bella zu verlassen, um Gefahren von ihr abzuhalten. Was für sie folgt ist Isolation, Tage geprägt von Katatonie und Nächte voller quälender Alpträume, die nicht selten in Schreikrämpfen enden.

Die Geschichte kennen wir alle. Diese Szene und so viele mehr geisterten schon lange vor dem offiziellen Kinostart durch die Medien. Trotzdem starrten schon am Eröffnungswochenende Millionen und aber Millionen ungeduldig auf die Kinoleinwand. Ja, ich bekenne: Ich war eine von ihnen. Hab mir sogar ein Ticket nach New York gekauft, als noch nicht klar war, dass der Film hier bei uns auch schon Ende November anlaufen wird. Also saß ich mitten am Times Square zwischen Hundertschaften, die nur aus Anhängern von Team Edward und Team Jacob bestanden und ihre Neigungen laut durch den Kinosaal brüllten. Erst als es nach endlos scheinender Werbung so weit war und unsere Helden die Kinoleinwand zum Leben erweckten, herrschte endlich Ruhe im Saal. Ich konnte es kaum erwarten, rutschte nervös in meinem Kinosessel hin und her und dann ...

... kam, worauf ich am wenigsten vorbereitet war: Eine pefekte Hollywood-Inszenierung von Stephenie Meyers "New Moon", so nah am Buch, dass man teilweise schon fast mitlesen konnte. Und ich war bestimmt eine der ganz wenigen, die vor Enttäuschung fast geweint hätten. Was war passiert? Was hatte dieser wahnsinnig tolle und nette Regisseur Chris Weitz mit dem Erbe von Catherine Hardwicke angestellt? Was war aus der einst so charmanten Independent-Produktion mit Blaustich und schlechtem Make-Up geworden? "New Moon" ist ein perfekter Film, wenn man Oberflächlichkeit mag. Bei der Bemühung nahe am Buch zu bleiben ist, meiner Meinung nach, jeder Tiefgang verloren gegangen. Der Film wirkt wie ein oberflächliches Märchen ohne Charme und Eigendynamik. Die meisten unserer Leser werden jetzt wohl denken: Spinnt die eigentlich? Was erzählt die denn da? Da mir mein Leben lieb ist, werde ich versuchen, es Euch zu erklären:

Zunächst einmal war ich völlig geschockt von der ausnehmend schlechten Performance von Robert Pattinson. Und schon mal vorab, ich habe ihn in "Twilight" geliebt. Während ich beim Lesen des Buches sogar beim dritten Mal noch geweint habe, hat es mich keine Sekunde lange berührt, als Edward sich in "New Moon" im Wald von Bella verabschiedet hat. Mir war schon fast zum Lachen zu Mute, als er ihr mit gequältem Gesichtsausdruck erklärt: "You don’t belong in my world". Ich hab ihm keine Sekunde geglaubt, dass er diese Worte ernst meint und ich konnte nicht fassen, dass Kristen dabei ernst bleiben konnte. Ich hätte ihn ausgelacht und gebeten, doch noch einmal zu üben, bevor er so einen Quatsch erzählt, wenn ihm das einer abnehmen soll. Und was ist eigentlich aus der so viel zitierten Chemie zwischen den beiden Schauspielern geworden? Während Kristen gewohnt genial ihre Bella präsentiert und selbst, während sie einfach nur auf einem Stuhl sitzt, so echt leidet, dass man sie einfach nur in den Arm nehmen möchte, leidet Robert ohne Facetten. EIN verzerrter Gesichtsausdruck zieht sich durch all seine Szenen. Nicht gerade eine schauspielerische Meisterleistung. Wo ist nur seine Leidenschaft, den perfekten Edward Cullen zu spielen, geblieben? Also ich würde dieses Sensibelchen von einem Blutsauger niemals heiraten.

Lasst mich von meinem nächsten Schock erzählen. Was haben die Cullens nur alle für bescheuerte Frisuren? Bin ich wirklich die Einzige, die diese Perücken albern findet? Zugegeben das Make-up ist deutlich besser als im ersten Teil der Saga, doch es fällt wegen der furchtbaren Frisuren kaum auf. Ich verstehe natürlich, dass Nikki sich die Haare nicht wieder bleichen lassen wollte. Aber was ist nur mit Jaspers Frisur passiert? Ein Topfschnitt wirkt dagegen elegant. Und wo sind eigentlich die stacheligen Haare von Alice? Apropos Alice. Sollte sie nicht diejenige sein, die Modeverständnis hat? Hab eigentlich nur ich ihre Modesünden bemerkt? Das Italien-Outfit hat jede Sekunde in meinen Augen geschmerzt.

Und sagt mir, was haltet Ihr von den Wölfen? Sollte nicht ein großer Teil des aufgestockten Budgets für die furchteinflößenden Bestien verwendet werden? Ok, sie waren nicht schlecht gemacht. Aber irgendwie sahen sie mehr wie niedliche Haustiere aus als wie gefährliche Werwölfe, die es mal so eben mit Vampiren aufnehmen. Ich hätte sie eigentlich ständig knuddeln können, so niedlich waren die. Und jeder, der schon einmal gesehen hat, wie junge Hunde miteinander spielen, weiß, dass das weit furchteinflößender aussieht, als diese süßen Tierchen. So ähnlich muss es auch die rothaarige Victoria (die perfekte Rachelle Lefevre) gesehen haben. Als sie zu den Klängen von Thom Yorkes "Hearing Damage" durch den Wald von Forks gleitet, wirkt es, als spiele sie ein Spiel mit ihren Verfolgern. Dabei jagen die Bestien sie doch. Übrigens ist das die beste Szene des ganzen Films. Endlich einmal konnte ich in eine perfekt erzeugte Atmosphäre eintauchen und bekam sogar gleichzeitig das Gefühl vermittelt, Chris Weitz habe ein Meisterwerk der Filmkunst geschaffen. Doch leider hielt dieses Gefühl nicht besonders lange an. Spätestens als Vampir-Bella gefolgt von ihrem Edward im Golfplatz-Outfit durch den Wald läuft, war dieser Moment Geschichte. Ich hab mir dabei echt beinahe in die Hosen gepinkelt vor Lachen ...

Für alle, die den Film lieben: Es tut mir leid, ich steh einfach auf "Twilight", auf die Independent Produktion eines bis dahin unbekannten Studios mit zahlreichen kleinen Fehlern. In jeder Sekunde habe ich die Leidenschaft und Freude der Schauspieler gespürt, die mir bei Robert, Peter und den anderen Cullens dieses Mal völlig gefehlt hat. "New Moon" wird getragen von einer anbetungswürdigen Kristen Stewart, von Muscle-Man Taylor Lautner, der erstaunlich überzeugend spielt und ansonsten nur von Nebendarstellern wie der brillanten Rachelle Lefevre, Billy Burke, der Charlie perfekt verkörpert, und von Michael Sheen, der, Ironie des Schicksals, als blutrünstiger und arglistiger Obervampir Aro mindestens genauso sehr überzeugt wie damals als Werwolf (Lykaner) in "Underworld".

Aber auch diese Glanzleistungen können mich nicht darüber hinwegtrösten, dass "New Moon" zwar eine perfekte Inszenierung ist, jedoch hauptsächlich durch die unbestrittene Nähe zur Buchhandlung besticht. Mir wäre ein bisschen weniger Buchtreue und dafür mehr Tiefgang einfach lieber gewesen. Aber das ist nur meine Meinung.
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